Peru – Urubamba Hogar

Ende August war es dann soweit: Wir verließen Cusco und fuhren nach Urubamba ins Kinderwohnheim Hogar Semillas de Jesus, wo wir für zwei Monate ein bisschen unterstützen, spielen, helfen und einfach Zeit mit den Kindern verbringen wollten, die dort unter der Woche und teils auch am Wochenende wohnen.

Urubamba ist ein tolles Städtchen: Mitten im Valle Sagrado gelegen bieten sich Ausflüge in alle Richtungen an. Das Urubambatal ist weit und hell, die umliegenden Berge bilden bei jedem Wetter ein beeindruckendes Panorama und der Ort selbst ist mit seinen ungefähr 8000 Einwohnern noch beschaulich, aber groß genug, um eine ordentliche Anzahl an Geschäften aller Art, Cafés, Restaurants sowie einen täglichen Markt in den Gassen zu bieten. Die obligatorische Plaza de Armas ist ausgesprochen hübsch mit Palmen, Bänken, einem Brunnen und halt immer voller peruanischen Lebensgefühls. Das klassische Fortbewegungsmittel sind die Moto-Taxis, die man überall und zu jeder Zeit findet. Der billige Festpreis führte dazu, dass wir sie häufig nutzten und zum Schluss gefühlt sämtliche Tok-Toks der Stadt kannten – und das sind viele!

Aber nun zum Wichtigsten: dem Hogar selbst. Er wurde in den frühen 2000er Jahren von der Mutter der jetzigen Leiterin Rosa gegründet, die leider schon verstorben ist. Nun führt „Mama Rosi“ gemeinsam mit ihrer Schwester „Mama Gabi“ den Hogar mit sehr viel Herz, Liebe zu den Kindern und schier unermüdlichem Einsatz. Es gibt kein Problem, für das Mama Rosi keine Lösung hat! – Zurzeit wohnen 20 Kinder im Alter von sechs bis siebzehn Jahren im Hogar und bilden eine sehr lebendige, laute und meistens ziemlich fröhliche Familie. Die Eltern der Kinder sind zum größten Teil Bauern, die in den Bergen um das Valle Sagrado ihre Höfe bewirtschaften. Diese liegen sehr abgelegen auf bis zu 4500 Metern Höhe, was dazu führt, dass die Kinder Schulwege von bis zu dreieinhalb Stunden (ein Weg!) haben. Wir bekamen später die Gelegenheit, das auszuprobieren, und waren hinterher ziemlich platt… Es leuchtet ein, dass diese Kinder schlichtweg nicht zur Schule gehen würden, wenn sie solche Wege in Kauf nehmen müssten. Daher bietet der Hogar eine unglaublich wertvolle Möglichkeit für die Familien, zumal die meisten wirklich arm sind und sich keine finanzielle Unterstützung für ihre Kinder leisten können.

Alltag im Hogar

Der Alltag im Hogar ist straff, aber liebevoll organisiert. So helfen die großen Mädchen den kleineren morgens regelmäßig und mit viel Geschick, ihre Haare zu bändigen. Jedes Kind hat seine Pflichten im Haushalt und selbst die Kleinsten müssen beim Wäschewaschen mithelfen! Nach den gemeinsamen Mahlzeiten ist es selbstverständlich, dass jede und jeder das eigene Geschirr spült und versorgt, wobei viele Späße und Neckereien an der Tagesordnung sind. Unterstützung gibt es von allerlei guten Geistern wie Naida, die den Hogar von Grund auf sauber hält, und der Köchin Wilma, die unerschütterlich riesige Töpfe mit Essen zubereitet. – Die Eltern leisten übrigens auch in ihrem Rahmen einen Beitrag zum Funktionieren des Hogarlebens. So bringen sie Lebensmittel wie Kartoffeln und Zwiebeln, helfen bei Instandhaltungsarbeiten und sind aktiv an der Vorbereitung von Schulfesten beteiligt.

Und natürlich spielt die Schule eine große Rolle im Leben der Kinder. Am Nachmittag lernen sie in zwei Gruppen und machen unter Aufsicht ihre Hausaufgaben, was ebenfalls ziemlich wertvoll ist, denn in ihren Elternhäusern hätte vermutlich niemand Zeit für Hilfe – oder die Kinder kommen aus Familien, in denen hauptsächlich Quechua gesprochen wird, weshalb die Eltern sie nicht bei Hausaufgaben auf Spanisch unterstützen könnten. Wir halfen vor allem den Kleinen, die sich viel mit dem Lesenlernen plagen, oder bei Aufgaben in Mathe. Aber auch bei Monsteraufgaben wie einem Tukankostüm mit einfachen Mitteln für Guido oder einem Nachbau sämtlicher Bücher der Bibel waren wir im Einsatz, was uns Isvenia mit einem breiten Lächeln dankte. Außerdem schätzten die jüngsten Mädchen jederzeit eine kleine Vorleserunde, auch wenn meine spanische Aussprache immer wieder verbesserungswürdig war… Der Kuschelbedarf der Kinder war groß, wogegen wir natürlich nichts einzuwenden hatten, und ihr Bewegungsdrang stellte manchmal meine Geduld ganz schön auf die Probe, denn häufig wurden Hausaufgaben regelrecht geturnt!

Begeistert hat uns immer wieder, dass die Kinder unheimlich schön spielen können. Es sind kaum Anleitungen oder gar Spielsachen nötig, schon eine gelüftete Matratze dient als Basis für ausgiebige Fantasiereisen. Dabei wird seltenst gestritten und beim Fangspiel „descongelada“ beteiligen sich alle Altersgruppen ohne ständige Unterbrechungen, um die Regeln neu auszudiskutieren… Spielen ist hier einfach, den Moment zu nutzen, um miteinander zu lachen und zu toben.

Ab und zu kommen auch unter der Woche Eltern zu Besuch, wenn sie zum Beispiel in Urubamba auf den Markt gehen. Für uns war es dann faszinierend zu sehen, wie sehr dabei zwei Welten aufeinanderprallen, wenn die Mütter und Väter in ihren Trachten im Hogar erschienen, um ein bisschen mit den modern gekleideten Kindern zu plaudern – meist auf Quechua.

Das Leben im Hogar besteht, wie man sich denken kann, nicht nur aus Alltag. Gerade für Rosi ist es auch wichtig, gemeinsame Momente zum Reden und Genießen zu schaffen, wie ein leckeres Sonntagsessen mit allen, die sonst noch hier wohnen. Außerdem hat bei so vielen Menschen eigentlich ständig jemand Geburtstag, was generell mit Torte und Gesang gefeiert wird. – Etwas Besonderes ist ein 15.Geburtstag, hier der von Flor. Da wird dann geschmückt, alle ziehen sich hübsch an, die Familie reist an und natürlich darf weder die Piñata mit Polonaise noch Tanz fehlen!

Besondere Aktionen im Hogar

Da der Alltag viel von Pflichten geprägt ist und natürlich auch allgemein Sparsamkeit regiert, haben wir manchmal versucht zum Beispiel beim Essen ein bisschen für Abwechslung zu sorgen. Beliebt bei allen war Obstsalat: Wir hatten schon Spaß daran, auf dem Markt in Urubamba einzukaufen, und die Kinder fanden vom Schnippeln bis zum Essen eigentlich alles gut. Auch Schokopudding mit Banane oder Ananas war ein echtes Highlight. Außerdem wurde Marmelade, hier mit frischen Erdbeeren, in gemeinsamer Aktion selbst gemacht. An einem Sonntag haben wir dann Spaghetti Bolognese für alle gekocht – inklusive Einsatz eines Riesentopfes im Hinterhof, denn der Küchenherd reichte nur für die Soße…

Einzug der Hühner in den Hogar

Der Hogar und die Hühner – das war so ein Thema… Es gab einen alten und ziemlich defekten Hühnerstall und Rosi wünschte sich schon länger wieder Hühner, um regelmäßig Eier für die Kinder zu haben. Also nahm sich Stefan dieser Aufgabe an, die sich als ganz schön langwierig herausstellte: Zum einen gab es fast kein Werkzeug im Hogar, zum anderen existieren in Peru natürlich keine Baumärkte wie bei uns. Also erkundeten wir in den folgenden Wochen so ziemlich sämtliche Ferreterias (Eisenwarenläden) und Madererias (Schreinereien) von Urubamba. Nach einer Weile kannte man uns dort und grinste uns freundlich entgegen, weil wir immer wieder Riegel, Scharniere, Schrauben, Nägel, Schnur und Maschendraht kauften. – Schließlich war es soweit, der Stall stand einzugsbereit da. So gingen wir mit Rosi auf den Markt, um zwischen Hunderten von Küken die vier richtigen auszusuchen. Diese landeten zunächst in einem Karton und dann im Hühnerstall, Stefan und ich waren direkt in die Hühnerchen verliebt und benannten zwei nach uns. Bezeichnenderweise ist mein Huhn das neugierigste, Stefans sieht die Dinge entspannter und wartet eher ab. Inzwischen sind es große Hühner, machen alles gemeinsam und „zwitschern“ uns aufgeregt an, wenn wir kommen. Nur die ersten Eier werden wir wohl nicht mehr mitbekommen, schade!

Besuch bei einer Familie in Yanamayo

Wie schon weiter oben erwähnt, wussten wir ja, dass die Hogar-Kinder sehr weite Wege hätten, wenn sie vom Elternhaus aus in die Schule gehen würden. Nun ergab sich zum Glück die Gelegenheit für uns, eine der Familien, nämlich die von Flor, Pamela und Alexander, mal zu Hause zu besuchen! Wir starteten früh um halb sechs zunächst unspektakulär mit dem Colectivo nach Ollantaytambo, wo es dann spannender wurde: Der „Carro“ für die Weiterfahrt stellte sich als simpler Lastwagen heraus, und die meisten Leute stiegen tatsächlich ohne Zögern auf die Ladefläche. War das ernst gemeint? – Aber der Vater von Flor hatte umsichtig gedacht und uns zumindest einen Platz in der Fahrerkabine reserviert. Ein Luxus also, zu fünft dort vorne zu sitzen! Und ein besonderes Erlebnis, eine Zehnjährige knapp zwei Stunden lang während der Fahrt auf einer Piste auf dem Schoß zu haben… Dafür hatten wir einen wirklich guten Fahrer, der sehr vorsichtig durch die unzähligen Serpentinen lenkte und uns mit seinen interessierten Fragen über Europa von der Länge der Fahrt ablenkte. Schließlich hielt er freundlich lächelnd im Nirgendwo und ließ uns aussteigen – wo sollte es weitergehen?

Kein Problem für Flor und Pamela! Sie steuerten zielstrebig einen Pfad um den nächsten Berg an und wir hechelten auf knapp 4500 Meter hinterher, vor allem Pamela sprang wie ein junges Alpaka den Hang hinauf. – Die Landschaft war grandios und entschädigte für die lange Fahrt. Selbst die Wolken verliehen dem Ganzen eine mystische Atmosphäre und die Luft dort oben ist einzigartig!

Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch erreichten wir dann das Ziel: den Hof der Familie! Die Mutter begrüßte uns herzlich mit Tee und Gewürzbrot, die Mädchen schlüpften in ihre Heimatkleider und damit auch in ihre andere Rolle, nämlich als Helferinnen der Mutter, die gerade dabei war, für ein größeres Dorffest zu kochen. So konnten wir dabei zuschauen, wie auf einem mittelalterlichen Herd und mit einfachsten Möglichkeiten eine erstaunliche Vielfalt an Speisen zubereitet wurde. Natürlich blieb es nicht beim Anschauen, wir durften alles probieren und bekamen leckere Maisküchlein, Kartoffeln mit Käse und schließlich auch paniert gebratenes Alpaka sowie gegrilltes Meerschweinchen. Alles Zutaten für ein Festessen, wie es dort nicht alltäglich ist. Zwischendurch schauten wir uns unter Pamelas Führung im winzigen Haus und auf dem Hof um. Die Familie lebt dort ohne Toilette oder Badezimmer, ohne Strom und fließendes Wasser auf dem Berg, natürlich auch ohne Internet und Handynetz. Für uns erschien es wie ein Freilichtmuseum, aber es repräsentiert das raue und harte Leben vieler andiner Bauern.

Den Rückweg vom Berghof nach Ollantaytambo und dann nach Urubamba brachten wir dann schon etwas routinierter hinter uns. Erschöpft, aber sehr beeindruckt kamen wir wieder im Hogar an: Der Ausflug hatte insgesamt knapp zwölf Stunden gedauert und fast acht davon entfielen auf den Weg! Das bewies nicht nur, dass es unmöglich täglich zu bewältigen ist, sondern zeigte uns auch, wie anstrengend selbst Wochenendbesuche für die Kinder sind – und wie sehr sie regelmäßig zwischen zwei völlig verschiedenen Welten hin und her switchen.

Schulalltag

Die Hogar-Kinder besuchen insgesamt sechs verschiedene Schulen, wodurch auch der Schulalltag recht unterschiedlich aussieht. Eine Fünfergruppe wird sogar mit dem Mototaxi abgeholt, was erstmal schick klingt. Allerdings sieht man schnell, dass es mit fünf Kindern plus Fahrer dort auch gut eng zugeht… Anschnallen ist übrigens ein absolutes Fremdwort! Wir selbst waren täglich zu Fuß beteiligt: Morgens begleiteten wir eine Vierergruppe nach Palccaraqui, eine ländlich gelegenen Grundschule, wo es vor dem Unterricht immer sportlich geprägte Vollversammlungen mit Musik gab. Dieser Schulweg war sehr entspannt, man traf auch gelegentlich auf Lämmchen (auf zahlreiche Hunde sowieso), und zwei alte Männer, die genau um diese Zeit vor ihren Häusern in der Morgensonne saßen, lächelten uns zahnlos und erfreut über „unsere“ Kinderscharr entgegen. Die zweite Aufgabe bestand darin, zwei Mädchen in einer Stadtschule abzuholen. Das ist in Peru wohl eine feste Regel: Eltern holen ihre Kinder von der Grundschule ab… Täglich standen diese pünktlich in der Gasse vor der Schule, man kannte und grüßte uns und eines Tages waren wir wirklich akzeptiert, man traute uns einen Einsatz als Schülerlotsen zu! Ich glaube, wir waren die Ersten, die das Ganze mehr als Spaß sahen, die meisten Eltern wirkten sonst sehr ernst oder etwas verloren.

Eine der Schulen, das Colegio Sol y Luna, ist eine Privatschule und schreibt sich interkulturelle Bildung auf ihre Fahnen. Das konnte man deutlich bei einem Fest zum Geburtstag der Schule sehen, allein die Elternschaft war wesentlich gemischter als sonst und die musikalischen Vorführungen der einzelnen Klassen boten außer Geschichten über Pachamama auch Michael Jacksons „Thriller“ und Lieder aus Filmen wie „Grease“ oder „Zurück in die Zukunft“. Beim Essen waren wir dann wieder voll in Peru: Mehrere Mütter hatten typische Andengerichte zubereitet.

Stadtfest zum Jubiläum einer Schule

Meistens gehört zu Schulfesten auch die offizielle Seite und die sieht folgendermaßen aus: An der Plaza de Armas, die es in jedem noch so kleinen Ort gibt, wird eine Tribüne aufgebaut, die Stadtverwaltung stellt eine Reihe von etwas pathetischen Rednern, und wenn alle leicht erschöpft sind, folgt der Umzug. Im Falle eines Schuljubiläums marschieren sämtliche Klassen ordentlich in Reih und Glied einmal um den Platz, es folgen andere Gruppen wie die Feuerwehr oder die Guardia Civil. Die Schüler musizieren und am Schluss kommen die nicht so streng marschierenden Eltern. Das Publikum applaudiert immer dann, wenn jemand Bekanntes vorbeimarschiert und hält sich mit Popcorn, Götterspeise, Eis und Getränken bei Laune. – Unsere vier Mädchen hatten ihren Spaß, für uns war ja sowieso alles neu und spannend!

Mit den Niños zum Einkaufen in der Stadt

Im Vorfeld der großen Reise hatten wir ja anlässlich zweier Feste im Freundeskreis Spenden für den Hogar gesammelt. So war eine hübsche Summe zusammengekommen, die wir zu einem kleinen Teil bereits in Mitbringsel (z.B. Creme für die sonnengeplagte Kinderhaut) investiert hatten. Der Hauptanteil sollte aber in dringend benötigte Kleidung und Schuhe fließen, denn von Weitem betrachtet sehen die Kinder zwar modern angezogen aus, aus der Nähe fällt aber deutlich auf, dass viele Pullis und Hosen sehr abgetragen sind. Die Turnschuhe sind sogar oft in erschreckendem Zustand… Rosi traute uns zu, diese Aktionen selbst mit den Kindern in Angriff zu nehmen, und so brachen wir an einem Samstag zum ersten Mal mit vier Mädchen zum Einkaufen auf, es folgten sieben weitere Termine, bis alle Zwanzig versorgt waren. – Das Ergebnis waren lauter hochzufriedene Gesichter und die Tatsache, dass wir wohl fast alle Kleidergeschäfte in Urubamba kennen gelernt haben (Es sind viele!) und einiges über unterschiedliches Einkaufsverhalten von Kindern erfuhren. Zum Schluss waren wir vor allem in der Markthalle sicherlich bekannt als die seltsamen Europäer mit den vielen Kindern. Übrigens half uns eine weitere, sehr großzügige Spende gewaltig, denn beim Überlegen, was wer brauchte, kamen wir anfangs schnell in Bedrängnis, weil so vieles gebraucht wurde. Durch das zusätzliche Geld konnte dann ein Kind eben Schuhe, einen Pulli und eine Hose bekommen. Ganz lieben Dank hier an Heike – und natürlich auch an alle anderen Spender!

Wanderung mit Urpi und Gian Marco bei Pumahuanca

Eigentlich hatten wir von Anfang an vor, auch direkt um Urubamba herum mal zu wandern, denn die Berge lockten täglich. Es dauerte eine Weile, bis unsere Pflichten eine Lücke ließen, aber dann war ein freier Tag in Aussicht. An sich wollten wir zu zweit starten, bekamen allerdings ganz unverhofft Gesellschaft: Urpi und Gian Marco hatten Lust mit zu wandern! Das überraschte und freute uns, weil wir nicht damit gerechnet hätten. So brachen wir zu viert mit dem Mototaxi auf und ließen uns weiter oben im Tal bei Pumahuanca absetzen. So weit, so gut, nur dass der angeblich eindeutige Weg Richtung Lagune gar nicht eindeutig war… Trotzdem wanderten wir nach anfänglich wirrer Suche in einem Eukalyptuswäldchen bei bester Laune immer am Bach entlang bergauf und hatten einen tollen Tag in schönster Landschaft.

Die beiden Teenies wollten überhaupt nicht umkehren, obwohl Gian Marco am Nachmittag noch einen Schultermin hatte. So setzten wir uns immer noch die nächste Wegbiegung als Ziel – und das lohnte sich: Wir erreichten alte Inkaruinen, wunderschön auf einer Hochebene gelegen. Alle waren begeistert von diesem Highlight. Auch ein niedlicher Hund, der uns zeitweise verspielt begleitete, kletterte mit auf den Aussichtspunkt und wir waren ganz verliebt in ihn!

Ausflug nach Cusco mit den Großen

Bislang hatten wir viel Zeit mit den jüngeren Kindern verbracht, zum einen, weil diese einfach mehr auf uns zukamen und unsere Nähe suchten, zum anderen aber auch, weil die Großen täglich lange an den Hausaufgaben saßen und viele Pflichten rund um den Hogar zu erfüllen hatten. Bei einem Gespräch mit den älteren Mädchen kam uns dann die zündende Idee für eine Unternehmung nur mit den „Mayores“: eine Fahrt nach Cusco, denn einige von ihnen waren noch nie in dieser eindrucksvollen Stadt, obwohl sie nur rund vierzig Kilometer entfernt liegt. Also stiegen wir zu neunt an einem Samstagmorgen in den Bus nach Cusco, der uns in knapp zwei Stunden bis kurz vor das historische Stadtzentrum brachte. Wir starteten gemütlich mit einem Kaffee an der Plaza de Armas und teilten uns dann auf. Die Stadterprobten durften allein bummeln gehen, die drei Neulingsmädchen blieben gern bei uns, und uns machte es Spaß, ihnen unsere Lieblingsstellen zu zeigen. Den Dreien gefiel es sehr, mal etwas ganz anderes zu sehen, und so hatten wir alle einen tollen Tag. Am späten Nachmittag trafen wir uns alle wieder zu einem gemeinsamen Pizzaessen – und dann ging es auch schon wieder zurück zum Bus. Erschöpft, aber zufrieden schaukelten wir alle nach Urubamba.

Grillabend mit Lagerfeuer im Canchon

Zwei Monate sind nicht unendlich, also rückte irgendwann der Abschied vom Hogar unbarmherzig näher… Deshalb grübelten wir, was es noch an umsetzbaren Möglichkeiten für Aktionen mit den Kindern geben könnte. Der Canchon, ein halb brachliegendes Grundstück in Hogarnähe, wo öfter Fußball gespielt wird, bot sich eigentlich perfekt für ein Lagerfeuer an, fanden wir. Und so besorgten wir Holz, einen Grill, Essen, Getränke und alles, was sonst noch fehlte. Am Tag selbst jagte ein leicht regnerischer Nachmittag uns noch einen kleinen Schrecken ein, aber die Kinder steckten uns mit ihrer Begeisterung (Wann machen wir endlich Feuer?) an. Also zog eine beladene Karawane kurz vor Sonnenuntergang zum Canchon, auch eine Bank wurde noch mitgeschleppt. Es wurde ein richtig toller Abend mit spektakulärem Himmel, die Kinder verschlangen sämtliche 80 Brötchen mit Chorizos oder Salchichas, sangen und tobten herum. Zum Schluss gab es die unvermeidlichen Marshmallows und danach stolperten wir in vollkommener Dunkelheit etwas verräuchert zurück zum Hogar.

Abschied vom Hogar

Nach dem gelungenen Vorabschied waren wir so in Feierstimmung, dass wir auch den letzten Abend zusammen genießen wollten. Dafür stießen wir genau rechtzeitig auf die Polleria Abrasa, ein einheimisches Hähnchengrill-Restaurant, und beschlossen, mit allen Hogarbewohnern dort essen zu gehen. Wie immer war es etwas schwierig, pünktlich loszukommen, was aber dann den Spaßfaktor nicht nur für die Kinder gewaltig steigerte: Statt wie geplant zu laufen, wurden alle 33 Personen auf die beiden Hogar-Pickups verfrachtet, auch wir fanden es witzig, auf der Ladefläche zu sitzen, und los ging’s! Zum Glück ist die peruanische Polizei nicht weiter an solchen Ladungen interessiert… Für die Kinder ist ein Essen im Restaurant etwas ganz Besonderes, Pommes und Hähnchen schmeckten allen himmlisch und die Enge am Tisch sorgte für maximale Geselligkeit.

Aber dann gab es kein Herausschieben mehr: Dar letzte Tag war da! Wir brachten wie immer die Niños in die Schule, gingen ins Ingiro Bike Café zu Jorge, um gemütlich einen Cappuccino zu trinken und uns von ihm und Rodrigo zu verabschieden, die wirklich ein bisschen zu Freunden geworden waren. Beim Kofferpacken gab es die übliche Verzweiflung: Warum war es immer noch fast unmöglich, alles vernünftig einzupacken, obwohl die Mitbringsel alle fehlten? – Aber auch das ging vorüber und dann waren plötzlich alle Kinder aus der Schule zurück und wir wurden definitiv verabschiedet. Zum Glück machte Rosi das unglaublich nett, es war ein sehr trauriger und bewegender, aber auch schöner Moment!

Wir stiegen also mit all unserem Kram ins Taxi und fuhren zum letzten Mal die Serpentinen aus dem Valle Sagrado Richtung Cusco hinauf. Das Wetter meinte es gut mit uns und bot uns einen wunderschönen letzten Blick auf Urubamba und sogar auf die Gletscher in den Bergen dahinter.

Muchas gracias an alle im und rund um den Hogar, die uns diese zwei Monate so schön und unvergesslich gemacht haben!

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